Unser Kreis

Der Rat
Baege, Kristin    
Beran, KaraMa
Bosler, Christa   
von Gagern, Sirilya
Gentner, Anne
Gersdorf, Ursula
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Heiden, Arunga
Illgen, Helga
Illgen, Ursa
Laurent, Siegrun
Madeisky, Uscha
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Frauenhof im Allgäu

27.10.19 JdF

Abschied von Großmutter Sirilya

Am 27. Oktober 2019 ging Großmutter Sirilya in die Anderswelt, Ursa drückte es so aus: Sie kehrte zurück ins Land ihrer Seele. Als wir drei Tage vorher von ihr Abschied nahmen, sagte sie mit dem ihr eigenen Humor, sie würde ja schon mit uns in Verbindung bleiben, damit sollten wir mal rechnen, aber der Körperkontakt – diese Art Verbindung – würde ihr sicher fehlen. Und so saßen wir – vier Großmütter: Ursa, Arunga, ich (Großmutter Kristin) und eben Sirilya – in einer Sitzgruppe am Flurende im Krankenhaus und fassten uns an den Händen, während wir bewusst voneinander Abschied nahmen. Unsere Seelen berührten sich und bewegten sich zwischen Trauer und Lachen.

Als Sirilya dann in der Nacht vom 27.10. das Erdenband durchschnitt, war Ursa bei ihr, hielt ihre Hand und berichtete vom großen Frieden, der anwesend war. Ich merke, dass ich die aktive Form von „durchschneiden" wählte und stutze – aber so war es auch, so war Sirilya. Nicht dass sie sterben wollte, aber sie wollte den schon zu lang andauernden Kampf ums Leben nicht mehr. Sie selbst beschloss, dass es genug sei, wenn auch sie beileibe nicht genug vom Leben hatte. Aber eben von dieser Art Leben, in dem so viel Raum und Zeit und Aufmerksamkeit dem Kampf gegen die Krankheit gewidmet werden musste. Als dieser Kampf in den letzten Tagen ihres Lebens von den Ärzten eingestellt wurde, erlebte sie das als Erleichterung. Sie war froh, keine Entscheidungen mehr treffen zu müssen für diese oder jene oder doch vielleicht eine ganz andere Therapie. Die Entscheidung war ihr abgenommen und sie willigte ein. Sie fügte sich, nahm bewusst Abschied von ihren Freundinnen und „tanzte über den Himmelsrand", wie es in ihrem Lieblingslied von Arunga heißt.

Ihr Foto steht an meinem Schreibtisch und ich ertappe mich dabei, wie ich in letzter Zeit öfter mal mit ihm/ihr spreche: Was würdest du sagen, Sirilya, als Mikrobiologin, zu unserer Angst vor dem Coronavirus? Zu all den verordneten Maßnahmen, unser Leben zu schützen, das doch irgendwann unweigerlich vom Tod „gekrönt" wird? Zu dem Verbot, uns zu umarmen, wo du doch schon zu Lebzeiten wusstest, dass du gerade diesen körperlich-irdischen Kontakt sehr vermissen würdest in der anderen Welt?

Ich sehe dich lächeln mit diesem dir eigenen leicht ironischen Lächeln, das zu sagen scheint: Macht ihr nur, es kommt eh ganz anders. Dieses Lächeln hat mich schon manchmal irritiert, wenn nicht sogar aufgeregt... um ganz ehrlich zu sein: auf die Palme gebracht! Es schien mir einfach zu überlegen. Heute darf es überlegen sein, denn da wo du bist, hast du sicher den größeren Überblick und blickst überlegen auf meine Sorgen vor dem Virus, vor dem Verlust meiner Grundrechte, dem Verzicht auf Kontakte und Überblick. Dein überlegenes Lächeln ärgert mich nicht mehr. Es tröstet vielmehr. Irgendwann lächle ich an deiner Seite über die vergebliche Mühe der Menschen, den Tod und das Leben kontrollieren zu wollen, um es zu schützen. Du ermutigst mich zum Leben auf diesem merkwürdigen Planeten und in liebevoller Verbindung mit all diesen merkwürdigen Menschen, zu denen du auch immer noch gehörst, weil es eigentlich keine Grenzen gibt zwischen Hier und Dort und Tod und Leben.

Und wenn ich das erinnere im stummen Gespräch mit Sirilyas Foto, dann geht es mir gut. Auch in Coronazeiten.

Großmutter Kristin

 

Unser Kreis

Alles fing 2004 mit dem Treffen der 13 Weisen Alten aus indigenen Kulturen an. Carol Schäfer berichtet darüber in dem Buch "Die Botschaft der Weisen Alten" (Ullstein Verlag 2007). 13 Großmütter aus Nord-, Mittel- und Südamerika, aus Afrika und Asien formulierten auf einer Konferenz ihre Empörung und ihren Unmut (ihre Besorgnis) über die rasante Ausbreitung von lebensverachtendem und Leben zerstörendem Verhalten großer Teile der Menschheit. Die Vision, ein neues, globales Frauenbündis zu gründen, hatte sie zusammen geführt. Mit einer Stimme setzen sie ihre Frauenkraft für eine Zukunft ein, in der die Liebe zum Leben, zur Erde und zu all ihren Geschöpfen an erster Stelle steht.


Warum fehlten die Weisen Frauen Europas?

Natürlich haben alle Stammeskulturen in Amerika, Afrika und Asien unter den Machtansprüchen, der Profitgier und der Expansion aus Europa extremes Leid erfahren. Der patriarchale Wahn: "Machet euch die Erde untertan" hinterließ aber gerade auch in Europa katastrophale Spuren. Auch hier wurden die Menschen, vor allem Frauen, die spirituell eingebunden waren in die Natur und ihre Gesetze und danach lebten, zu Abertausenden verfolgt, gequält, verbrannt, vernichtet. Und doch gibt es auch in Europa, wie überall, Menschen, die Anschluss an das alte Wissen haben, es bewahren und weitergeben.

Wir Frauen vom Rat der Großmütter sind seit langen Jahren auf dem Weg, das alte Wissen unserer Ahninnen und unsere Spiritualität zu erinnern, in uns wieder zu beleben und nach außen zu tragen. Auf dieser Basis fanden wir zusammen und sehen uns als "indigene" Großmütter Europas.

Wir knüpfen an die Tradition an, dass - entgegen der patriarchalen Vorstellung von Omas in unserer Gesellschaft - Großmütter in ursprünglichen Gesellschaften geachtete Autoritäten sind, auf die gehört wird. Sie tragen das "über Generationen gewachsene Wissen in sich, wie Nachhaltigkeit gelebt und Beziehungen gestärkt werden können" und haben durch ihre Lebenserfahrung dieses Wissen zu Weisheit werden lassen. Sie wissen auch um die Verantwortung für das Leben der folgenden sieben Generationen.


Was sind unsere Großmutter-Qualitäten?

Bei der intensiven Suche nach unserem Selbstverständnis als Großmutter, unserer Vorstellung vom Wesen einer Weisen Alten, fanden wir in dem Buch von Jamie Sams "The 13 Original Clan Mothers" (HaperCollins 1994) genau die Beschreibung der Qualitäten, die wir Weisen Alten in uns tragen und die uns als Großmutter ausmachen. So spiegelt sich in unserem Machtwort die Weisheit dieser 13 Clanmütter, die auch von der Kraft der Tierkreiszeichen + Mittelpunkt
getragen wird.

Auf dem Weg von unserem 1. Treffen 2009 im Frauenhof im Allgäu bis zur Ausrufung des Machtwortes beim Hambacher Kongress 2010 erhielten wir immer wieder deutliche Zeichen, die uns darin bestärkten, weiter zu gehen: Die astrologischen Konstellationen forderten uns bei jedem Treffen erneut heraus, mit unserem Anliegen kraftvoll an die Öffentlichkeit zu gehen. Auch die Rituale, mit denen wir unseren Prozess begleiteten, unterstützten uns jedes Mal sehr stark und klar auf unserem Weg.

Am meisten beeindruckte und bestätigte uns auf unserem Weg der Fund der fast 40.000 Jahre alten Urmutter zwischen unserem ersten und zweiten Treffen. Sie kommt aus einer Höhle der Schwäbischen Alb, die  in unmittelbarer Nähe des Frauenheilehauses liegt, in dem wir uns häufig getroffen haben. Schon seit vielen Jahren besuchen von dort aus Frauengruppen die Höhle "Hohler Fels von Schelklingen", verbinden sich mit Mutter Erde und singen spirituelle Lieder. So erscheint es uns fast so, als hätten wir die Urmutter heraus gesungen aus ihrer langen Ruhe und ihr Erscheinen ist wie ein besonderes Geschenk an uns, das wir freudig und dankbar annehmen.

Die Kraft und der Segen der Urmutter begleitet uns im Rat der Großmütter und deshalb ist sie auch in unserem Logo. Von ihr nehmen wir den Auftrag an, ur-groß-mütterliche Frauenkraft in die Welt zu bringen für eine lebenswerte Zukunft der Menschheit und der Erde.

Anne Gentner
Ursa Illgen


Der Kreis im Rat der Großmütter

In Frühjahr exportierten wir unsere Machtworte vom Rat der Großmütter nach Lesbos in das wunderschöne Seminargelände Milelja. Die Hüterinnen des Ortes, Uschi und Irini, waren begeistert und sofort bereit, die Anliegen der Großmütter – die ja auch ihre eigenen sind – zu unterstützen. Inzwischen liegen unsere Machtworte also auch auf der Insel aus. Am nächsten Morgen kam Irini mit diesem tönernen Kreis eindrucksvoller Großmütter und stellte sie auf den Kaminsims im Frühstücksraum – dorthin, wo die Schätze aufbewahrt werden. Sehr passend standen sie nun zwischen uraltem versteinertem Holz aus dem Versteinerten Wald. Wir fotografierten den Ahninnenkreis, der aus Mesopotamien stammt, von allen Seiten, um ihn zu Hause einer geschickten Töpferin in Auftrag zu geben. So sehr fanden wir uns in ihm als Rat der Großmütter gespiegelt! Aber es kam besser: am letzten Tag der Seminarreise bekamen wir den Kreis geschenkt für unseren Rat der Großmütter und als Zeichen der Verbundenheit zwischen den deutsch-griechischen Frauen und uns im Rat, wo er beim letzten Treffen Einzug gehalten hat.

Was uns an dieser Replik so gut gefällt, ist der Kreis.
Wir haben seit unserer Gründung die Erfahrung gemacht, dass es der Kreis ist, der uns die Arbeitsergebnisse schenkt. Der Kreis ist ein magischer Raum. Er verbindet, konzentriert, hält zusammen und ist gleichzeitig geöffnet ins Universum; er erhält so seine Kraft von den himmlischen Kräften, wird gleichsam „von oben“ inspiriert. Diese Kraft fließt im Kreis als kreative Energie von Mensch zu Mensch, um verwandelt als Botschaft, als Vision, als Machtwort, als Aktion den Kreis wieder zu verlassen und ins Außen gegeben zu werden. Wenn wir uns treffen, ist es selbstverständlich, dass wir im Kreis sitzen. Wir erkennen und benennen die magische Wirkung des Kreises und verzichten inzwischen fast völlig auf den Austausch über Telefon oder email zwischen den Treffen, da diese Medien oftmals Verwirrung stiften und zu kreativem Austausch nicht taugen; allenfalls zum Austausch von sachlichen Informationen.
Was dabei fehlt, ist eben der Kreis, die Verbindung unter uns und die Anbindung an die göttlichen Kräfte, ohne die wir kein einziges unserer Machtworte „gefunden“ hätten.

 Unser Kreis hat ein Zentrum. In diesem Zentrum sind die Dinge, die uns wichtig sind: Blumen oder Zweige als Geschenke der Natur; Licht in Form von Kerzen; der Großmütterkreis aus Ton als Spiegel unserer selbst; der Redestab aus Rumänien und unsere persönlichen Kraftgegenstände, die unser spirituelles Eingebundensein in den Kreis symbolisieren; und – nicht zu vergessen – die Urmutter aus dem Hohlen Fels. In diesem Zentrum sammeln sich aber auch unsere Erfahrungen, unsere Visionen, unsere Wünsche – kurz: all das, was uns als Großmütter in dieser Zeit der Zusammenkunft im Rat ausmacht. Nicht zuletzt legen wir in dieses Zentrum auch unsere eigene Unfähigkeit, die Machtworte wirklich umzusetzen. Sie sind Vision und Wunsch, Richtung und Ziel. Und vielleicht ist das Eingeständnis unseres eigenen Unvermögens der größte Schatz im Kreis. Beim wortlosen Darstellen des Machtwortes „Wir lieben“ wurde uns bewusst, dass wir nur dann lieben, wenn wir die Befähigung dazu aus der göttlichen Liebe geschenkt bekommen. Und das gilt für alle Machtworte.

Hier im Kreis lassen wir uns rufen, stellen uns zur Verfügung und sind offen füreinander und die göttliche Botschaft und Klarheit. Wir sind Empfangende und Gebende zugleich.
Der Kreis ist aber auch ein Schutzraum. Wir dürfen uns dort zeigen, wie wir sind – in unserer Verletzbarkeit und Unfertigkeit. Ohne diese „Gaben“ gäbe es nicht das oft mühsame Ringen um Worte und unsere Visionen würden in gewohnt patriachaler Weise zu Predigten werden, die niemand braucht, weil sie nicht mit Leben gefüllt sind. Weitere wichtige Gaben, die sich im Schutz des Kreises entfalten, sind Trauer und Zorn. Trauer über all das, was wir Menschen über Jahrhunderte der Erde und ihren Geschöpfen angetan haben oder zumindest antun ließen und der Zorn, der sich im Machtwort äußert. Wir erheben unsere Stimme zum lauten Protest.

Um diese Qualitäten des Kreises zu erhalten, können wir ihn nicht beliebig vergrößern. Es gibt deshalb den Beschluss, den Rat der Großmütter nicht zu erweitern. Wir haben die Vision, dass viele solcher Kreise entstehen, die sich verbinden, berühren, miteinander kommunizieren und wirken. Da die Geburt neuer Kreise unser Anliegen ist, stellen wir unsere Erfahrungen beim Entstehen zur Verfügung. Bei manchem entstehenden Kreis können wir bereits Hebammendienste leisten.
Alle Frauen, die die Kraft des Widerstandes in sich spüren, die Empörung über patriachale Verirrungen und den Schmerz über das daraus entstandene Leid, sollten aufstehen, sich zeigen und ein Machtwort sprechen. Wir alten Frauen haben durchaus etwas zu sagen und wir schweigen nicht länger!

Großmutter Kristin vom Rat der Großmütter